Presse

Kölner Stadtanzeiger vom 29./30. 06 2002

Gemeinsamer Protest gegen Hochspannungs-Leitungen

Den Schulterschluss vollzogen am Freitagnachmittag die Interessengemeinschaften „Bahnbetroffene“ aus Poll und aus der Südstadt in der Mitte der Südbrücke: Damit wollen sie gemeinsam die Inbetriebnahme der 110 000-Volt-Bahnstromleitung verhindern, die entlang der Güterzugstrecke durch beide Stadtteile führt. Brigitte Arleff, Sprecherin der Südstadt-Initiative, sagte, dass auf beiden Seiten des Rheins rund 42 000 Menschen in unmittelbarer Nähe der Starkstromleitung wohnen würden und gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt seien. Dazu kämen acht Kindergärten, die teils in unmittelbarer Nähe, teils genau unter der Hochspannungsleitung stehen würden. Rund 400 Menschen waren auf die Südbrücke gekommen, um ihren Unmut über das Vorhaben zum Ausdruck zu bringen. Brigitte Arleff übergab auf der Brücke 1000 Unterschriften an Willfried Dettmer, den Sprecher der Poller Initiative. Sie sollen einem Bürgerantrag Gewicht verleihen, der an den Stadtrat gerichtet wird. Inhalt: Der Rat soll die Bahn AG mit allem Nachdruck auffordern, die 110 000-Volt-Leitung so schnell wie möglich stillzulegen . (sh)

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Kölner Stadtanzeiger, 24.04.2002

Problem des Elektrosmogs wurde nicht angesprochen

von CHRISTOPH HENNES

Die „Auswirkungen des ICE-Fahrbetriebs für Poll“ geriet als Veranstaltungsthema des Bürgervereins eher zur Nebensache.

Poll - Gleich doppelt herb enttäuscht verließen viele Poller Bürger am Ende die zweistündige Informationsveranstaltung: Das Thema, welches den meisten von ihnen unter den Nägeln brannte, nämlich die Verlegung von Hochspannungsleitungen der DB durch Wohngebiete und damit einhergehende Folgen für betroffene Poller wurde gleich zu Beginn abgesagt. Auf einem gesonderten und für Mitte Mai anvisierten Informationsabend wollen dann Fachleute der Deutschen Bahn zu magnetischen Feldstärken und Elektrosmog umfassend Auskunft geben. Die Fülle diffiziler Fachfragen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse über gesundheitliche Folgen seien zu komplex, um der „Brisanz des Themas nicht angemessen“, mit seinem unzureichenden Fachwissen Stellung zu nehmen, sagte Diplomingenieur Rüdiger Michaelsen von der DB-Cargo als einziger Vertreter der Bahn auf dem Podium. Als „Hinhalte-Taktik“ der DB wurde diese Ankündigung mit reichlich Unmutsäußerungen quittiert: Bis dahin wäre die 110-Kilovolt-Leitung fertig verlegt und weiterer Widerstand zwecklos, befürchteten viele Anwohner. Michaelsen sorgte anschließend mit einem ausführlichen Vortrag über Schallschutz, den gesetzlichen Grundlagen dazu und dem bundesweiten Engagement der Bahn zur Lärmeindämmung für die zweite Enttäuschung aus Poller Sicht: In der für ganz Deutschland erstellten Prioritätenliste der DB stehe der für Lärmschutz in Frage kommende Streckenabschnitt zwischen der Südbrücke und Gremberg ganz weit hinten. Mit 108 Güterzügen im Tagesdurchschnitt zwar eine der meist befahrenen Güterzugstrecken Europas, weisen die DB-Lärmprüfer für diesen Bereich mit einem gemittelt errechneten Lärmpegel von „lediglich“ 68,5 dB(A) jedoch nur eine geringe Priorität aus. Zudem beträfe hier nur die vor 1974 errichtete Wohnbebauung eventuelle Lärmschutzmaßnahmen in unbekannter Zukunft. „Irgendwann ist Poll auch mal dran“ sagte der Bahningenieur, selber Poller Bürger, der mit seinem Vortrag bestrebt war, erst gar keine falschen Hoffnungen bei den betroffenen Nachbarn der stark befahrenen Güterzugstrecke zu wecken. Der eine ICE pro Stunde, der zukünftig auf dieser Strecke für einen begrenzten Zeitraum fahren werde, sei "in seiner Geräuschemission nicht darstellbar" und stelle für die Strecke keine wesentliche Veränderung dar. Dies wäre jedoch bei bereits bestehenden Strecken Vorraussetzung für damit einhergehende Schallschutzmaßnahmen, entmutigte Michaelsen schließlich die lärmgeplagten Bürger.

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Kölner Stadtanzeiger vom 17.04.2002

Jetzt Initiative gegen die Starkstromleitung gegründet

Der gemeinsame Widerstand gegen den Bau einer Starkstromleitung der Bahn durch Poller Wohngebiete formierte die Betroffenen zu einer Initiative.

Poll - Bei der ersten Zusammenkunft informierten Willfried Dettmer und Hans Burgwinkel als Initiatoren der im Verlauf des Abends frisch gegründeten Bürgerinitiative „Poller Bahnbetroffene“ rund 150 Anwohner über die Sachlage und die Probleme, konkrete Auskünfte von der Deutschen Bahn (DB) zu erhalten. Für großen Unmut sorgte in dem Zusammenhang bei vielen Bürgern die nach ihrer Ansicht mangelhafte Informationspolitik der DB zur Errichtung der 110 000 Volt-Hochspannungsleitung entlang der Strecke zwischen Gremberg und der Südbrücke. Für die meisten kam die bereits begonnene Baumaßnahme, die zur Verstärkung des Stromnetzes auf der Strecke Köln - Aachen dient, völlig überraschend. Neben der Stromleitung, die Schwerpunkt des Bürgerwiderstands ist, will sich die Initiative in Zukunft auch dem Schallschutz entlang des Poller Bahndamms widmen. Hier sehen die engagierten Bürger Chancen für eine positive Veränderung. Die DB sieht hier allerdings keinen Handlungsbedarf. Zum Thema „Welche Auswirkungen hat der Fahrbetrieb des ICE auf Köln-Poll?“ veranstaltet der Bürgerverein am Montag, 22. April einen Info-Abend im Bürgerzentrum, bei dem DB- Mitarbeiter die Poller informieren wollen. (ch)

 

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Kölner Stadtanzeiger vom 12.04.2002

Gefahr durch Leitung mit 110000Volt?

VON SVEN HAMANN

Bis zu 34 Meter hohe Hochspannungsmasten werden in Poll aufgestellt. Die Stromversorgung für die Bahnstrecke Köln-Aachen wird verstärkt.

Poll - Die Arbeiten entlang der Güterzugstrecke zwischen dem Rangierbahnhof Gremberg und der Südbrücke sorgen für Irritationen und Gerüchte: Häufig wurde vermutet, dass es sich um eine Verstärkung für die ICE-Züge handelt, die demnächst über die Südbrücke fahren werden. Die Bauarbeiten, bei denen zum Montieren der Masten Hubschrauber eingesetzt werden, dienen aber der Versorgung der so genannten Ausbaustrecke nach Aachen, auf der es künftig Hochgeschwindigkeitsverkehr geben wird. Deshalb ist vom Unterwerk in Gremberghoven die 110 000-Volt-Leitung im Bau, die den Gleistrassen bis nach Kerpen folgt. Nach Auskunft eines Bahn-Sprechers wurde das Planfeststellungsverfahren bereits 1992 eingeleitet und im Kölner Bereich Ende 1994 „planfestgestellt“. Die Masten sind zwischen 20 und 34 Meter hoch, an der Südbrücke werden die Kabel in rund zehn Meter Höhe aufgehängt. Auch deshalb gibt es Besorgnis bei „Bahnbetroffenen“, deren Sprecher Hans Burgwinkel sich um Auskünfte über mögliche Strahlenbelastungen wie Feldstärken und Induktion bemüht. Bekanntlich gehen die Meinungen von Fachleuten über die Folgen solcher Hochspannungsleitungen weit auseinander. Eine Informationsveranstaltung zum Thema und anderen Fragen zu Bahnbau und Lärm ist am Montag, 15. April, 19.30 Uhr, im Jugendheim der Gemeinde St. Dreifaltigkeit, Altenberger Kreuz.

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Kölner Stadtanzeiger, 30.01.2002

Aus dem ICE direkt zum Flugzeug

VON KIRSTEN BOLDT

Der Bau des Mittelstücks am neuen Bahnhof unter dem Köln / Bonner Flughafen hat gestern begonnen. Köln - Nur 100 Meter Fußweg von der Bahn bis zum Flieger - der neue ICE- und S-Bahnhof am Flughafen Köln / Bonn soll dies von Sommer 2004 an möglich machen und den Airport in der Wahner Heide endlich ans Schienennetz des regionalen und internationalen Bahnverkehrs anschließen. Mit einem gemeinsamen Druck auf einen roten Knopf führten gestern Landesverkehrsminister Ernst Schwanhold, Staatssekretärin Angelika Mertens vom Bundesverkehrsministerium, Bahnchef Hartmut Mehdorn und der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafen Köln / Bonn GmbH, Norbert Rüther, symbolisch den „ersten Spatenstich“ aus, genauer: sie starteten offiziell den Bau des zentralen Bahnhofsgebäudes. Die tatsächlich ersten Spatenstiche zum insgesamt 420 Meter langen Bahnhof liegen schon länger zurück. Schon gestern konnte Teile des unter dem Terminal 2 gelegenen 170 Meter langen Rohbaus der nördlichen Bahnhofs-Einfahrt besichtigt werden. Die Zufahrt auf der gegenüber liegenden Seite, 135 Meter lang, ist ebenfalls im Rohbau fertig. Nun fehlt noch das Mittelstück, über dem sich später ein riesiges Glas-Stahldach wölben soll. Die Überdachung wurde von dem Architekten Helmut Jahn entworfen, der auch das neue Terminal 2 und die Parkhäuser konzipiert hat. 58,4 Millionen Euro kostet der Bahnhof, das gesamte Projekt der Bahnanbindung samt Schienenneubau 532 Millionen Euro. Die Finanzierung teilen sich Bund, Land und die Betreibergesellschaft des Flughafens. „Mit dem Bahnhof erfüllen wir uns einen alten Wunsch, denn ein Flughafen ohne Gleisanbindung hat angesichts des zunehmenden Verkehrsaufkommens keine Chance“, sagte Bahnchef Mehdorn. Ursprünglich war der Flughafen als „Drive-in-Airport“ konzipiert worden, also als Flughafen, der nur per Auto erreicht werden kann. Nun soll den Fluggästen der Umstieg auf die Bahn schmackhaft gemacht werden. Vier Gleise verbinden den Flughafen künftig mit der neuen Schnellfahrt-Strecke Köln-Rhein / Main und damit auch dem europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz. Sie schließen den Airport aber zugleich ans regionale S-Bahnnetz an. 14 Halts pro Stunde sind am Flughafen vorgesehen: Zunächst sollen stündlich zwei ICE pro Richtung über die Flughafenschleife zum Airport geführt werden. Ob es langfristig mehr werden, hängt nach Angaben der Bahn vom tatsächlichen Bedarf ab. Ursprünglich hatte die Bahn gewisse Vorbehalte geäußert, ob es sich überhaupt lohnt, Hochgeschwindigkeits-Fernzüge zum Köln-Bonner Flughafen zu führen. Kein Zweifel hingegen besteht, dass die regionale Schienenanbindung lohnend sein wird: Weitgehend fest steht bereits, dass die S-Bahn-Linien S 12 (Köln - Siegburg - Au) und S 13 (Düren - Köln - Bonn-Beuel) über die Flughafenschleife fahren sollen. Mit der S-Bahn-Linie 13 ist der Flughafen vom Kölner Hauptbahnhof aus dann in 17 Minuten zu erreichen. Noch nicht entschieden, aber durchaus im Gespräch ist, auch Regional-Express-Züge zum Flughafen zu schicken. Überlegungen gibt es zum RE 8 (Rhein-Holland-Express), der von Venlo über Mönchengladbach, Köln und Troisdorf nach Koblenz fährt, sowie zum RE 18 (Rhein-Erft-Express), der die gleiche Strecke nur zwischen Mönchengladbach und Koblenz befährt. Und sollte in einigen Jahren der im Ruhrgebiet geplante Metrorapid nach Köln und Bonn verlängert werden, so wird auch dieser hier einen Haltepunkt erhalten - wo der genau stehen wird, ist offen. Landesverkehrsminister Ernst Schwanhold (SPD) sieht in dem neuen Flughafen-Bahnhof jedenfalls einen wichtigen Schritt in die Zukunft: Die Vernetzung von Schienen- und Luftverkehr sei Voraussetzung, um den Kurzstrecken-Luftverkehr auf die Schiene zu verlagern.

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Kölner Stadtanzeiger vom 31.11.2001

Pendler hoffen auf Ende der Leidenszeit

VON PETER BERGER

1,3 Milliarden Mark kostet der Ausbau der Bahnstrecke Köln - Düren. In einem Jahr wird die S-Bahn dort den Betrieb aufnehmen. Köln - Die 32 000 Berufspendler, die täglich mit den Regionalzügen zwischen Düren und Köln unterwegs sind, wissen genau, was eine Durststrecke ist. Sie ist 42 Kilometer lang und wird in exakt 380 Tagen überwunden sein. Schenkt man dem Sprecher der Regionalbahn Rheinland Glauben, ist der Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2002 für sie ein Meilenstein der Bahngeschichte: Die S-Bahn kommt - endlich. Und mit ihr der Abschied von Uralt-Zügen, von denen selbst Bahnsprecher Frank Gassen-Wendler sagt, dass sie den Kunden nicht länger zuzumuten seien: „Sie sind immer zu spät und wenn sie kommen, dürfen die Fahrgäste zum Dank im Gepäcknetz sitzen. Und müssen dann noch froh sein, dass sie überhaupt einen Platz gefunden haben.“ In modernen klimatisierten Elektro-Triebwagen binnen 37 Minuten lautlos von Düren nach Köln gleiten - ohne Verspätung und mindestens alle 20 Minuten: Man mag es nicht glauben, doch die Bahn verspricht das Ende der leeren Versprechungen. Die S 12 werde die erste Linie sein, die den Namen S-Bahn überhaupt verdiene, so Gassen-Wendler. Denn es gehöre zu den Produktmerkmalen einer S-Bahn, dass sie auf eigenen Gleisen fährt. Das sei im Rheinland bisher nirgends der Fall. So eben auch zwischen Köln und Düren: Auf einer der meistbefahrenen Strecken Deutschlands zuckeln derzeit alle Züge ab Köln-Ehrenfeld pro Richtung über ein Gleis: der schnelle Thalys, der Regionalexpress, die Regionalbahn und jede Menge Güterzüge. Das pünktlich abzuwickeln, war schon immer ein schwieriges Unterfangen, doch seit der Ausbau im September 1996 begann, ist der Fahrplan endgültig Makulatur. Rund 1,3 Milliarden Mark lassen sich Bund und Bahn die Beseitigung dieses Nadelöhrs kosten. Ein Jahr nach der Aufnahme des S-Bahnbetriebs im Dezember 2002 werden auch der Thalys und der ICE Richtung Paris und Brüssel auf der Hochgeschwindigkeitstrasse, die parallel zur S-Bahn verläuft, mit bis zu Tempo 250 fahren. Und Köln darf sich dann zu Recht als Drehscheibe des internationalen Hochgeschwindigkeitsnetzes bezeichnen, das Amsterdam, Paris, Brüssel, London und Frankfurt / Main untereinander verbindet. Die leidgeprüften Pendler zwischen Köln und Düren dürfte aber eines viel mehr interessieren: Dass sie bald eine S-Bahn vor der Türe haben, die ihnen auf dem Weg zum Arbeitsplatz einige Umwege erspart. Denn die neue S 12 und die S 6, die im Berufsverkehr von Essen auf der neuen Trasse bis Horrem verlängert wird, fahren künftig über den Hansaring und halten auch an den neuen Stationen Köln-Müngersdorf / Technologiepark und Merzenich. Dazu kommen die Regionalexpress-Züge der Linien 1 (Bielefeld - Ruhrgebiet - Aachen) und 7 (Münster-Wuppertal-Aachen), die Düren und Köln in 30 Minuten überbrücken. „Zu den Spitzenzeiten fahren wir zwischen Düren und Köln im Zehnminutentakt“, sagt Gassen-Wendler. „Das wird für uns wie ein Befreiungsschlag.“ Einziger Wermutstropfen: Die Dürener werden dafür auf ihren geliebten D-Zug Köln-Oostende verzichten müssen. Er wird eingestellt. Mit Fertigstellung des Flughafen-Bahnhofs Köln / Bonn im Jahre 2004 wird dann die S 13 von Troisdorf über Köln nach Düren fahren und die S 6 ersetzen. Doch ganz ohne Verspätungen wird es auch in Zukunft wohl nicht gehen: Denn eine Engstelle bleibt der Hauptbahnhof. Dort werden am S-Bahnsteig ab Dezember 2002 im Berufsverkehr die Züge im 180-Sekunden-Takt einfahren. Das sei, so die Bahn, schon ziemlich eng. Für zwei weitere S-Bahngleise ist zwar Platz, aber kein Geld vorhanden. Zumal die Hohenzollernbrücke nach 1991 dann nochmal um zwei Gleise verbreitert werden müsste. Und das kann derzeit kein Mensch bezahlen.

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